
Chinesische Autohersteller expandieren rasant auf den Weltmarkt – vor allem in Schwellenländern wie Brasilien, Südafrika oder Thailand gewinnen ihre Elektrofahrzeuge (EVs) zunehmend an Bedeutung. Dank niedriger Preise, moderner Ausstattung und gezieltem Marketing setzen sie sich dort immer stärker gegen etablierte Hersteller aus den USA, Europa und Japan durch.
Während westliche Märkte wie die USA, Kanada und die EU Schutzmaßnahmen in Form von Zöllen ergreifen, öffnen sich Länder wie Thailand, Südafrika und Brasilien dem massiven Angebot chinesischer E-Autos. Marken wie BYD, Great Wall, Chery und SAIC sind dort inzwischen ein alltäglicher Anblick. Besonders in Städten wie Bangkok, Johannesburg oder São Paulo prägen die modernen, erschwinglichen Fahrzeuge zunehmend das Straßenbild.
Wie Bloomberg unter Berufung auf den chinesischen Automobilverband berichtet, hat China im Jahr 2024 weltweit rund 4,9 Millionen Pkw exportiert – ein gewaltiger Sprung im Vergleich zu weniger als einer Million im Jahr 2020. Damit überholt das Land klassische Exportnationen wie Deutschland oder Japan und wird zum führenden Fahrzeugexporteur der Welt.
„Die chinesischen Hersteller setzen sich in zahlreichen Märkten mit qualitativ hochwertigen und dennoch günstigen Modellen durch“, erklärt Abby Chun Tu von S&P Global Mobility. Sie vergleicht die aktuelle Strategie mit dem früheren Aufstieg koreanischer und japanischer Marken – mit einem entscheidenden Unterschied: Chinesische Fahrzeuge bieten bereits heute ausgeklügelte Softwarelösungen und umfassende Ausstattung, oft zu deutlich niedrigeren Preisen.
Laut einer Prognose von AlixPartners könnte sich Chinas Anteil am globalen Automobilmarkt bis 2030 von derzeit 3 Prozent auf 13 Prozent mehr als vervierfachen. In Afrika und im Nahen Osten rechnen Experten sogar mit einem Marktanteil von bis zu 39 Prozent.
Auch etablierte Hersteller wie Ford erkennen die wachsende Bedrohung. CEO Jim Farley räumte ein: „In Schwellenländern wie Indien oder insbesondere in Südamerika werden wir zunehmend von chinesischen Marken verdrängt.“ Ford hat sich bereits aus Brasilien zurückgezogen – das ehemalige Werk in Camaçari wurde von BYD übernommen. In Märkten wie Südafrika und Thailand will man jedoch weiterhin präsent bleiben. „Wir müssen langfristig denken und uns zukunftssicher aufstellen“, betonte Farley.
Andere US-Hersteller wie General Motors oder Stellantis sehen in der Konkurrenz aus China zwar ebenfalls eine Gefahr, setzen jedoch auf Kooperationen mit chinesischen Unternehmen, um im Wettbewerb bestehen zu können.
Ein Erfolgsfaktor chinesischer Marken ist ihr geschicktes Marketing. In Brasilien etwa warb BYD mit Fußballlegende Pelé, während andere Marken gezielt lokale Influencer einsetzten. Der Brasilianer Luiz Palladino etwa schwärmte in einem Interview von seinem Haval H6: „Er hat alles, was ich brauche – und erinnert mich an einen BMW.“
Auch steuerliche Vorteile und staatliche Förderungen haben den Einstieg chinesischer Hersteller in Märkten wie Brasilien erleichtert. BYD und Great Wall errichten dort inzwischen eigene Produktionsstätten. Ricardo Roa von KPMG fasst zusammen: „Die Chinesen haben die Marktlücke erkannt und optimal genutzt.“
Mit dieser globalen Expansion und einem strategisch klugen Auftritt stellt China die etablierten Automobilnationen zunehmend vor Herausforderungen – insbesondere in jenen Regionen, in denen der Preis und die Ausstattung eine größere Rolle spielen als das Markenimage.